Neuer Monat, neues Interview. Heute berichtet unser Müllwerker Richard aus seinem Arbeitsalltag und mit welcher Perspektive er auf seine Arbeit schaut. Wir finden: ein sehr lesenswertes und inspirierendes Interview und eine tolle Einstellung, die Richie hier mit uns teilt.

 

Richie und Truck vor Alpenkulisse

Lieber Richie, wann beginnt und endet dein Arbeitstag?

Mein Tag startet um vier Uhr morgens in der Früh. Ich stehe auf, dusche, frühstücke – dann bin ich bereit für den Tag. Gegen fünf Uhr schnappe ich mir mein Rad und radel zur Arbeit – auch im Winter, denn ich wohne nicht sehr weit von meinem Arbeitgeber entfernt. Feierabend ist für uns je nach Jahreszeit zwischen 15 und 16 Uhr.  

Wie läuft ein klassischer Arbeitstag bei dir ab?

Wir fahren immer als Dreier-Team raus. Zwei Müllwerker hinten am Fahrzeug und ein Fahrer im Laster. Da wir früh starten, machen wir unsere „Mittagspause“ meistens so gegen 10:30 Uhr. Nach 45 Minuten sind wir wieder gestärkt und die Tour kann weitergehen. Unsere Routen führen uns durch Geretsried, Wolfratshausen, Neufahrn, Königsdorf, Eurasburg, Beuerberg, Egling und bis nach Grünwald und Neubiberg.

3 Dinge, die dir an deinem Job gefallen:

Oh, da reichen nicht drei Dinge! Mir fällt viel mehr ein.

  1. Meine Arbeit ermöglicht mir, meine Familie hier in Geretsried, aber auch die in meinem Heimatland Uganda zu unterstützen.
  2. Durch meine Arbeit komme ich mit vielen Menschen in Kontakt. Kaum fing ich hier an zu arbeiten, kannte jeder meinen Namen, begrüßte mich mit „Hey Richie“. Das fand ich toll.
  3. Ich sehe unglaublich viel von der Region, in der ich lebe. Kein anderer Job hätte es mir ermöglicht, die Schönheit der Natur zu den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten zu sehen und meine Umgebung so gut kennenzulernen. Der Tagesanfang macht mich immer glücklich.
  4. Ich kenne mich extrem gut in sämtlichen Ortschaften aus, kenne alle meine Gebiete in- und auswendig.
  5. Ich bekomme Lob von den Kunden. Zweimal wurde ich bereits ins Büro meines Chefs gerufen, weil Kunden E-Mails an die Fa. Ehgartner geschickt haben, in denen sie ausdrücklich gelobt haben, wie freundlich und gut ich meine Arbeit mache. Das ist so noch nie im Unternehmen vorgekommen und hat mich riesig gefreut.  

 Was sind die Herausforderungen deines Alltags?

Herausforderungen gibt es überall. Am meisten fordert mich die Arbeit im Winter oder im Sommer, wenn es „bloody hot“ wird. Aber das hilft nichts. Die Menschen warten auf uns. Man muss einfach akzeptieren, wenn es regnet. Wir ziehen unsere Touren durch. In drei Jahren habe ich nur einen Tag erlebt, an dem wir aufgrund von Schlechtwetter nicht ausrücken konnten. Ich komme aus Uganda, einem der heißesten Länder der Welt, wo es auch Regenzeit gibt. Da komme ich auch mit dem deutschen Wetter klar. 

Kann man sich je an den Geruch von Abfällen gewöhnen?

Für mich ist das eine Frage der Einstellung. Es ist einfach Teil des Jobs. Etwas, das du für deinen Job akzeptieren musst. Auf der anderen Seite bietet der Job ja auch viele Vorteile. Wenn du das Glück hast, arbeiten zu dürfen, dann mach deinen Job. So sehe ich das. Klar, kann der Geruch manchmal schon echt heftig sein. Natürlich hängt es stark von der Tour ab, also ob man Restmüll, Biomüll, Verpackungsmüll oder Papiermüll leert. Ich habe Glück, denn ich fahre schon seit mehreren Jahren Verpackungsmüll-Touren.

Wieso hast du dich für den Beruf des Müllwerkers entschieden?

Ich bin schon vielen verschiedenen Tätigkeiten nachgegangen. In Uganda habe ich mein Diplom in Business Administration mit Schwerpunkt Money Demand gemacht. Als ich nach Deutschland kam, habe ich zunächst in einer Gärtnerei gearbeitet. Leider fühlte ich mich da nicht sehr wohl. Als ich das Angebot von Ehgartner bekam, war ich offen für etwas Neues und wollte probieren, ob ich das packe. Ich wurde gewarnt, dass es im Winter hart werden könnte, aber ich wurde belohnt und habe bis heute nur gute Erfahrungen gemacht.

Was macht für dich die Arbeit bei der Firma Ehgartner aus?

Ich mag unsere Teams. Alles fühlt sich wie Familie an und man denkt auch familiär. Als ich vor drei Jahren nach Uganda musste, weil es meiner Mutter sehr schlecht ging, bekam ich Unterstützung. Ich wurde von Anfang an gut aufgenommen. Unterschiede aufgrund von Herkunft spielen hier keine Rolle. Wir sind im Team insgesamt drei Männer aus Afrika. Wir alle fühlen uns geschätzt.

Besonders gefreut hat mich eine Begegnung während der Lockdowns, als die Straßen immer unheimlich leer waren. In dieser Zeit sind uns zwei Jungen begegnet, die aus der Schule kamen, ca. zehn Jahre alt. Einer der Jungen stoppte uns, um sich bei uns zu bedanken, dass wir einen tollen Job machen. Er sagte, dass die Menschen so viel wegschmeißen und wir wieder alles aufsammeln würden. Er habe großen Respekt für uns und frage sich oft, wie es ohne uns aussehen würde. Das war für mich sehr besonders.

Dein Rat für Berufseinsteiger?

Berufseinsteiger und junge Jobsuchende sollte offen sein und die Menschen, die den Job machen, nicht falsch beurteilen. Sie solltes mit einer anderen Perspektive auf diese Arbeit schauen und verstehen, was Arbeit für das eigene Leben bedeutet. Viele Menschen denken, Entsorgung sei ein Beruf für Menschen ohne Bildung. Aber oft stecken interessante Lebensläufe und Menschen hinter unseren orangen Anzügen. Berufseinsteiger sollten die Chancen und die Vorteile einer Arbeit sehen und diese schätzen.

Danke Richie, für das Interview! Gäbe es mehr Menschen wie dich, wäre die Welt bestimmt eine bessere. Wer beim Lesen Lust auf einen Jobwechsel bekommen hat: einfach mal einen Blick in unsere offenen Stellen werfen!